Primula veris { Schlüsselblume, Himmelsschlüsselchen }

© Liz Collet

Schlüsselblumen gehören zu den Frühblühern, den ersten zarten Blüten, denen Sie schon in wenigen Wochen wieder in der Natur begegnen werden.

Dass die Schlüsselblume eine Frühlingsblume ist, kommt bereits in ihrem botanischen Namen zum Ausdruck: „Primula veris“, die erste Blume des Frühlings. In der Medizin taucht sie allerdings historisch verhältnismäßig spät auf, soweit bislang bekannt wurde sie von den antiken Ärzten  nicht verwendet, wie eine Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg berichtet.

Auch in den Werken des frühen Mittelalters findet nach den dortigen Recherchen die Schlüsselblume keine Erwähnung. Erstmals bei der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179)  werde  die Pflanze unter dem Namen „Himmelsschlüssel“ (hymelsloszel) in einem medizinischen Werk genannt. Sie erkläre dazu, dass die Schlüsselblume „warm“ sei, weil sie von der Sonne gestärkt werde. Diese Wärme könne die „Melancholie“ im Menschen unterdrücken. Gemeint sei dabei wohl die Depression, wenn sie schreibe: „Wenn die Melancholie im Menschen aufsteigt, macht sie ihn traurig und in seinem Benehmen unruhig und lässt ihn Worte gegen Gott aussprechen. …“ Dagegen solle nun die Schlüsselblume helfen, indem man sie auf das Herz des Kranken lege.

Es  habe dann so die Berichte der Forschergruppe –  fast 300 Jahre gedauert, bis die Schlüsselblume wieder in einem medizinischen Text, nämlich im sog. ‚Lexicon plantarum’ erwähnt werde. In diesem recht umfangreichen Werk würden nahezu alle Pflanzen vorstellt, die im Mittelalter arzneilich genutzt wurden. Die Schlüsselblume trage hier bereits den Namen, den sie auch in der modernen botanischen Nomenklatur nach Carl von Linné bekommen hat: „Primula veris“. Daneben würden zwei weitere Namen aufgeführt: „Herba paralisis“ und „Paralisis minor“. Die Tatsache, dass die Schlüsselblume bei Hildegard und im ‚Lexicon plantarum’ im Zusammenhang mit Lähmungen genannt werde, sei nach Auffassung der Forschergruppe ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Frühlingsblume tatsächlich wohl zuerst in der Volksheilkunde und dann auch in der akademischen Medizin bei Paralisis eingesetzt wurde. Interessant und lesenswert sind auch die weiteren chronologisch dargstellten Ergebnisse zur Erwähnung der Schlüsselblume in der Literatur durch diese Forschergruppe, lesen Sie diese bitte hier.

Interessant ist auch, dass danach lange Zeit in den historischen Werken des Mittelalters und der frühen Neuzeit nur vom Kraut oder speziell von den Blüten in der medizinischen Nutzung die Rede gewesen sei. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei auch der  Wurzel Aufmerksamkeit geschenkt worden, als man diese  als Expektorans, als ein Mittel zur Schleimlösung bei Bronchitis und Keuchhusten entdeckt habe.  Erste Beschreibungen seien bei dem Österreicher Joachimowitz und dem Franzosen Leclerc zu finden, wobei die Saponine als eigentliche Wirkstoffe bestimmt wurden.

Sie dürfen sie allerdings nicht pflücken oder ausgraben, da die Pflanze in Deutschland unter Naturschutz steht. Sie können aber selbst Schlüsselblumen mit Saatgut im eigenen Garten oder auch Balkonkasten ziehen. Empfehlenswert ist, sie in Töpfen im Haus zu ziehen und dann im Garten auszupflanzen, wenn sie kräftig genug sind. Sie sollten dann auch in der Folgezeit immer nur die Hälfte der Stengel ernten, damit die Pflanzen sich auch weiterhin gut vermehren können. Sie sind zauberhafte erste Frühlingsboten in Ihrem Garten, aber nicht nur ein hübscher Blickfang.

Bestandteile der Schlüsselblume können bei zähem Husten die Beschwerden lindern. Verwendet werden in der Heilkunde zwei Arten der in Deutschland unter Naturschutz stehenden Pflanze:

  • die Frühlingsschlüsselblume oder Duftende Schlüsselblume (Primula veris) und
  • die höher wachsende Hohe Schlüsselblume oder Waldschlüsselblume (Primula elatior).

Genutzt werden die Wurzeln und Blüten mit Kelch.

Schlüsselblumenblüten © Liz Collet

Schlüsselblumenblüten © Liz Collet

Hauptwirkstoffe der Wurzel und der grünen Pflanzenteile seien die Saponine, die sogenannten Seifenstoffe. Die Seifenstoffe können zähen Bronchialschleim verflüssigen, sie erleichtern das Abhusten und befreien so die verengten Atemweg. Außerdem sollen sie Bakterien, Viren und Pilze hemmen können und so zum Schutz vor Infekten beitragen.

In der modernen Kräuterheilkunde gilt die Wurzel von Primula veris  als schleimlösendes Mittel bei Bronchitis und trockenem Reizhusten, aber auch bei Altershusten und Raucherhusten. Die Blüten mit Kelch würden wegen ihrer milden Wirkung und guten Verträglichkeit gern in der Kinderheilkunde bei Hustenerkrankungen angewandt. Laut Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg seien die Blüten mit dem Kelchsaum zwar im Vergleich zur Wurzel weniger reich an Saponinen. Dafür enthielten sie aber entzündungshemmende Flavonoide, antioxidative Karotinoide, keimhemmende Rosmarinsäure und Spuren an ätherischem Öl. Diese Inhaltstoffe der Blüten unterstützten die Wirkung der Saponine. Die sogenannte Erfahrungsheilkunde spreche den Saponinen zu, den Stoffwechsels zu aktivieren. Deshalb werde die Schlüsselblume, sei es als Tee oder als dekorative Blüte im Salat, zusammen mit anderen Frühjahrskräutern wie Brennnesseln in Frühjahrskuren empfohlen.

Immer wieder  – vor allem in Blogs und Foren – zu lesen ist, dass die Pflanze zwar unter Naturschutz stehe, dass man aber trotzdem für den Eigenbedarf oder überhaupt Blüten pflücken dürfte. Das ist nicht richtig.

1.

Schlüsselblumen sind in der Verordnung zum Schutz wild lebender Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung – BArtSchV) vom 16. Februar 2005 (in der aktuellen Fassung vom 1. August 2013) geschützt als sog. “Besonders geschützte Arten” im Sinne von  § 1 Satz 1 Bundesartenschutzverordnung.

2.

Schon nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz gilt für alle (!) wild lebenden Pflanzen (auch ohne dass diese in einer Liste besonders geschützt sind) der sog. “allgemeine Schutz”, der es verbietet,

  • “wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten” (§ 39 I Nr 2 BNatSchG)
  • oder “Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören” (§ 39 I Nr 3 BNatSchG).

3.

Da die Schlüsselblume aber sogar zu den “besonders geschützten Pflanzenarten” gehört, gilt für sie zudem der noch strengere Schutz von § 44 BNatSchG, d.h.

    • das sog. Zugriffsverbot von § 44 I BNatSchG
    • das sog. Besitzverbot von § 44 II Nr. 1  BNatSchG
    • das sog. Vermarktungsverbot von § 44 II Nr. 2 BNatSchG

Der Text der Vorschriften laute dazu im Einzelnen:

§ 44 Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten

(1) Es ist verboten,
1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,
3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
4. wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören

(Zugriffsverbote).

(2) Es ist ferner verboten,
1. Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen, in Besitz oder Gewahrsam zu haben oder zu be- oder verarbeiten

(Besitzverbote)
2. Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten im Sinne des § 7 Absatz 2 Nummer 13 Buchstabe b und c
a) zu verkaufen, zu kaufen, zum Verkauf oder Kauf anzubieten, zum Verkauf vorrätig zu halten oder zu befördern, zu tauschen oder entgeltlich zum Gebrauch oder zur Nutzung zu überlassen,
b) zu kommerziellen Zwecken zu erwerben, zur Schau zu stellen oder auf andere Weise zu verwenden
(Vermarktungsverbote).

Rezepte:

Pflanzen aus dem eigenen Garten, deren Blüten zB oder auch solche aus der Apotheke oder dem Teeladen können Sie zu verschiedenen schmackhaften und bekömmlichen Rezepten verwenden. So lassen sich aus Schlüsselblumenblüten nicht nur Tee, sondern auch Sirup und Likör herstellen und mit dem Sirup wiederum als Zutat Desserts beträufeln oder Desserts herstellen. Auch sind Blüten eine hübsche und essbare Dekoration für Desserts und Torten. Dazu erfahren Sie mehr im Frühling, wenn hier in meinem “Burg-Gärtchen” meine Zutaten reif für die Zubereitung einer Reihe von Rezepten sein werden. Blinzeln Sie als gern wieder herein.

Quellen und weitere Informationen, die Sie interessieren könnten:

WICHTIGER HINWEIS:

Bitte beachten Sie wie bei allen Beiträgen dieses Blogs, dass der vorliegende Beitrag und die anderen Posts keinen ärztlichen Rat darstellen und niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können!


5 comments

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