Weißdorn {Crataegus laevigata, Crataegus monogyna}

Jetzt blüht er wieder : Weissdorn. Gleich vorweg: Das ist keine der Blüten, die Sie einfach so in der Küche verwenden können.Er gehört in die Kategorie der Heilpflanzen und daher in die Hand des Arztes und Apothekers bei der Entscheidung, ob und wer und wie er für Sie vielleicht geeignet sein und zur Anwendung gelangen könnte.

Die Blüten im Bild habe ich während einem meiner Aufenthalte auf Langeoog mit der Kamera eingefangen. Bei einem Inselspaziergang zwischen Terminen zu eigenen juristischen Vorträgen bei einer der jährlichen Fortbildungswochen für Ärzte, welche die Niedersächsische Landesärztekammer dort “auf der Insel für’s Leben” Langeoog durchführt, jeweils im April/Mai und damit zur Blütezeit auf der Insel. Die Weissdornblüten gerieten dabei eher zufällig in meine Aufmerksamkeit, denn eigentlich war ich von den ungezählten Rhododendronblüten der Insel fasziniert gewesen. Und so fing ich  die zarten weissen Blüten dazwischen eher nebenbei auch ein.  Dass sie – hübsche Koinzidenz, oder? – inzwischen nicht nur im Landwirtschaftsverlag (Münster) , sondern unter anderem auch einen Platz im Thieme Verlag in dessen medizinischen Veröffentlichungen rund um Naturheilverfahren (hier und dort zB ) gefunden haben, macht daher doppelt, weil umso unerwarteteres Vergnügen.

Dort auf Langeoog findet man sie an vielen Stellen. Auch in England kommen noch recht häufig Weißdornhecken vor, wo sie als natürlicher Zaun gern eingesetzt wurden, weil die dornigen Büsche Vieh auf der Weide und wilde Tiere von ihm fernhalten. Als “Sacred Glastonbury Thorn” gilt er in England in der Legende um die Abtei Glastonbury in Südengland. Es heisst dort, er sei dort von Joseph von Arimathia nach England gebracht und eingepflanzt worden.

Weißdorn war schon im Altertum als Heilpflanze bekannt und seit dem 14. Jahrhundert nutzten Heilkundige ihn als herzstärkendes Mittel. 1990 wurde Weissdorn zur Heilpflanze des Jahres gekürt.

 Weißdorn (Crataegus monogyna) ist ein Strauch oder Baum, der bis zu acht Meter hoch wird, seine Äste sind mit spitzen  Dornen besetzt. Die gegenständigen Blätter sehen oberseits dunkelgrün aus und bestehen aus drei bis sieben Lappen, die gezähnt oder ganzrandig sind. Die Blüten stehen in zahlreichen Doldenrispen und sind weiß gefärbt. Aus ihnen entwickeln sich im Herbst leuchtend rote Früchte.
 Weißdorn gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae) und blüht von Mai bis Juni. Er kommt fast überall in Europa vor und wächst in lichten Gebüschen und Hecken.

Er findet auch vielfach in der Literatur Erwähnung (wo er zT auch als Hagedorn bezeichnet wird, wie in der Dreigroschenoper oder der Götterdämmerung), unter anderem in Marcel Proust’s “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”:

“Aber wie lange ich auch vor den Weißdornbüschen verharrte und ihren unsichtbaren und in der Luft stehenden Geruch einatmete, mit meinen Gedanken zu fassen versuchte, die nichts mit ihm anzufangen wußten, ihn verlor, wiederfand oder in den Rhythmus einfiel, der seine Blütenblätter hier und da mit jugendlicher Beschwingtheit und in unerwarteten, bestimmten musikalischen Intervallen gleichenden Abständen hin- und herschwenkte, sie spendeten in steter und unermüdlicher, verschwenderischer Fülle ihren immergleichen Zauber, ohne mir jedoch zu gestatten, tiefer in ihn zu dringen, ähnlich wie bestimmte Melodien, die man hundertmal nacheinander spielen kann, ohne doch ihrem Geheimnis irgend näher zu kommen. Einen Moment lang wandte ich mich von ihnen ab, um mich ihnen hinterher mit frischen Kräften erneut nähern zu können. Spielerisch verfolgte ich bis zu der Böschung, die hinter der Hecke steil zu den Feldern hin anstieg, eine hier und da verloren stehende Mohnblume oder eine müßige, am Weg zurückgebliebene Kornblume, deren Blüten den Hang dekorierten wie die Bordüre eines Teppichs, auf der das ländliche Motiv noch sehr zurückhaltend dargestellt ist, das dann auf dem großen Medaillon triumphiert; vereinzelt noch und weit auseinander stehend wie abgelegene Häuser, die bereits die Nähe des Dorfs ahnen lassen, kündeten sie mir von den immensen Weiten, über die der Weizen wogt und die Schäfchenwolken ziehen, und der Anblick einer einzigen Mohnblume, die ihre rote Flagge über die Toppen hißte und hoch über ihrem fettglänzenden, schwarzen Schanzkleid im Wind knattern ließ, ließ mein Herz höher schlagen, ganz wie dem Reisenden, der auf dem platten Land ein erstes gestrandetes Boot entdeckt, das von einem Kalfaterer repariert wird, und ausruft, bevor er es selbst noch gesehen hat: »Das Meer! «.”

Wiederum hübsch passend, wenn Sie zwischen den Weissdornhecken auf Langeoog und deren Duft unterwegs sind, auf dieser oder einer der anderen Inseln im Wattenmeer, n’est-ce pas?

Die wirksamen Inhaltsstoffe kommen in den Blättern und Blüten vor. Sie enthalten spezielle sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte oligomere Procyanidine. Daneben finden sich zu 0,3 bis 2,5 Prozent Flavonoide, zu denen Substanzen wie Hyperosid, Rutosid und Vitexin gehören. In experimentellen Untersuchungen erweitert Weißdorn die Herzkranzgefäße und verbessert damit die Durchblutung des Herzmuskels. Weitere Details finden Sie auch hier im Heilpflanzenlexikon der Drachen-Apotheke im Tengelmann Center in Murnau

In klinischen Studien sollen Berichten zufolge Patienten mit Herzschwäche von positiven Ergebnissen berichtet haben, wenn sie über längere Zeit einen Extrakt aus Weißdorn eingenommen haben. So sollen subjektiv wahrgenommene Beschwerden wie leichte Kurzatmigkeit bei körperlichen Belastungen nachgelassen, die Patienten   sich wieder leistungsfähiger gefühlt haben.

Achtung: Weissdorn sollten Sie keinesfalls selbst und ohne Anordnung des Arztes verwenden.  Nur er kann festellen, ob  die Einnahme von Weißdorn in Ihrem Fall sinnvoll ist und  in welcher Form und Anwendungsweise.

Quelle:

Bildquelle: Weissdorn © Liz Collet(Nutzungslizenzen und -rechte und Infos dazu dort im Detail);

WICHTIGER HINWEIS: Bitte beachten Sie wie bei allen Beiträgen dieses Blogs, dass der vorliegende Beitrag und die anderen Posts keinen ärztlichen Rat darstellen und niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen sollen und können!


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