Heilpflanze des Jahres 2014: Anis

Anis © Liz Collet

Anis © Liz Collet

Wie in jedem Jahr wurden auch für 2014 von verschiedenen Vereinen und Verbänden ihre “Pflanzen des Jahres” gekürt. Entscheidend für ihre Auswahl bei Baum, Staude, Heil- und Arzneipflanze oder Kaktus: sie haben herausragende Eigenschaften und es damit verdient, ein Jahr lang im Mittelpunkt zu stehen. Heilpflanze des Jahres 2014 ist der  Anis, botanisch Pimpinella anisum, gewählt vom “Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus”. Das einjährige Gewächs gehört zur Familie der Doldenblütler und ist verwandt mit Kümmel und Fenchel. Zusammen mit beiden kommt Anis als Teegemisch etwa bei Verdauungsbeschwerden zum Einsatz, seine Inhaltsstoffe wirken schleimlösend und blähungstreibend.

Verwendung

Am bekanntesten ist der Anis als Bestandteil für Weihnachtsgebäck (Anisplätzchen) oder alkoholischer Getränke wie im griechischen Ouzo oder Mastika, im französischen Pastis oder Pernod oder im türkischen Raki. Auch in Deutschland kreierte man anishaltige Liköre wie z. B. Küstennebel oder Goldwasser.  Ausserdem ist er Zutat als Brot- und Kuchengewürz oder für  Lebkuchen bekannt. Sehr gut kann  Anis zumWürzen von Fleisch- oder Fischgerichten  verwendet werden, die frischer schmecken und leichter bekömmlich werden.

Als Heilpflanze

wirkt Anis auswurffördernd, schwach entkrampfend, antibakteriell und fördernd auf die Speichel- und Magensaftsekretion. Deshalb wird er bei Verdauungsstörungen und Katarrhen der Luftwege empfohlen. Die Erfahrungsheilkunde setzt ihn außerdem für stillende Mütter zur Förderung des Milchflusses ein. Ferner wird Anis zum Aromatisieren und zum Verdecken unangenehmer Gerüche in Kosmetik und Arzneimitteln verwendet.

Traditioneller Gebrauch

Erste Nachweise der Verwendung von Anis gehen bis ins Altertum zurück. Benediktinermönche brachten die Heilpflanze mit nach Europa, wo sie dann in vielen mittelalterlichen Schriften lobend erwähnt wird.
Der mit Anis und anderen Kräutern geschmacklich aufgewertete Absinth kam im 19. Jh. als Anregungsmittel in Mode. Wegen des häufigen Missbrauchs und des vermutlich minderwertigen Alkohols, welche den „Absinthismus“ auslösten, wurde er zu Beginn des 20. Jh. verboten. Seit 1998 ist das Verbot des Absinth-Schnapses innerhalb der EU wieder aufgehoben.

Die Pflanze

Die vom NHV Theophrastus ausgezeichnete Pflanze gehört zur Gattung Pimpinella aus der Familie der Doldenblütengewächse (Apiaceae). Verwandtschaft aus botanischer Sicht sind Gewürzpflanzen wie Dill, Fenchel oder Koriander aber auch die Karotte als Gemüsepflanze. Die einjährige Anispflanze wird 30-60 cm hoch und hat eine dünne, spindelförmige Pfahlwurzel mit einem aufrechten, gerillten, oben verzweigten ästigen Stängel. Die unteren Laubblätter sind ungeteilt und rundlich, die mittleren sind einfach, die oberen zwei- bis dreifach gefiedert. Im Juli/August blühen zahlreiche kleine weiße Blüten auf, die sich zu flachen, lockeren Doppeldolden zusammenfügen. Das eigentliche Erntegut sind die länglichen Früchte, die sich im Spätsommer entwickeln.

 Als Droge im pharmazeutischen Sinn

werden durch Trocknung haltbar gemachte pflanzliche oder tierische Stoffe bezeichnet, die zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet werden.

Die Früchte der meisten Doldenblütler ähneln sich in ihrem Aussehen. Der Geruch der Anisfrüchte wird als eigenartig würzig und der Geschmack als süßlich aromatisch, oft auch lakritzähnlich, beschrieben.  Da der Einfluss von Licht und Luft die Qualität des Anis vermindert, sollte er lichtgeschützt gelagert werden (z. B. in Braunglas – nicht in Kunststoffgefäßen!), in dicht schließenden und möglichst vollständig gefüllten Behältnissen. Trotzdem verliert Anis selbst bei sachgerechter Lagerung relativ schnell an Geruchsqualität. Empfohlen wird deshalb, die Heil- und Gewürzdroge innerhalb von ein bis zwei Jahren zu verbrauchen und frisch aus den Körnern gemahlenen Anis zu bevorzugen. Der  bereits fein gemahlene verliert noch schneller seine Würz- und Heilkraft.

Das ätherische Öl

ist der pharmakologisch wichtigste Inhaltsstoff der Pflanze, er ist in allen Teilen der Anispflanze enthalten. Hauptbestandteil des ätherischen Öls ist das trans-Anethol, das zu ca. 95 % in dem Öl der Früchte vorhanden ist, zu 30 % im Kraut und zu 3 % in den Wurzeln. Anisöl wird durch Wasserdampfdestillation von getrockneten, etwas gequetschten Früchten gewonnen.

Unter dem Begriff „Anisöl“ darf allerdings auch das Öl vom wesentlich billigeren Sternanis (Illicium verum) – den Früchten eines im tropischen Ostasien heimischen Baumes – verkauft werden. Beiden Ölen werden gleichartige Wirkungen zugeschrieben. Das etwas feinere Aroma des echten Anisöls hängt vermutlich mit seinem geringeren Terpengehalt zusammen.

Bildquelle: Anis

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