Tage des Flieders

 Flieder © Liz Collet

Flieder © Liz Collet

Er ist für mich meine Lieblingsblüte. DIE Lieblingsblüte schlechthin. 

Gefolgt von weissen Rosen.

Aber  keine andere Blüte kann die Liebe zu Flieder für mich erreichen. Jedes Jahr wird die kurze Zeit der Fliederblüte sehnsüchtig erwartet. Ich kaufte ihn mir nie. Ich pflücke ihn dort, wo er wild wächst und habe unter den drei Farben weiss, violett und blau meine Lieblingsfarbe und -duft. Und scherzhaft habe ich irgendwann einmal geflachst, dass wer mich liebe auch mit mir  oder für mich  Flieder “dieben” ginge. Ich würde (auf Anraten meiner Anwältin) natüüüürlich leugnen, dass das als Anstiftung zu verstehen sein sollte. Aber ich muss gestehen, ich bekam reichlich gediebten Flieder geschenkt. Und es hat seinen Grund, dass und warum selbst in meinem Brautstrauss Flieder nicht fehlen durfte. Und nicht fehlte. Obgleich ………..ich im Dezember heiratete. 

Es gibt eine Reihe verschiedener gefüllter und gezüchteter Formen, ich mag ihn klassisch blau am allerliebsten und dessen feinen Duft.

Flieder hat in allen besonderen Momenten und Zeiten meines Lebens seinen Platz gehabt und diese begleitet.
Schöne. Schwere auch. Und bei den weniger leichten ist er stets die zarte, dennoch unbesiegbare Hoffnung, dass jeder Frühling wieder Flieder blühen lassen wird. ……….Bislang behielten der Flieder und diese Hoffnung die Siege auf ihrer Seite. Und punkten damit am Ende doch für mehr Schönes in der Balance und Bilanz.

Er verströmte seinen zarten Duft vor den Zimmern der Klinik, in der mein Sohn zur Welt kommen sollte. Vor dem Kindergarten und der Schule, die ich für ihn ausgesucht hatte. Er blühte vor dem Raum, in dem ich in München am WGG Abi schrieb ebenso wie vor den Prüfungszimmern für das erste und zweite Staatsexamen. Als mein Grossvater mir den Kirchhof zeigte, den er als letzten Platz auf dieser Welt am friedlichsten und schönsten fand, verstand ich ihn sehr gut: Ein kleiner Kirchhof, weitab von sonst lauter Welt mit Blick über Berge, Felder, Wald, Wiesen und ein kleines Dorf, unter hohen alten Bäumen…………. und mit wunderschönen übervollen Fliederbüschen entlang der Kirchhofmauer und zwischen den Bäumen. Es war nicht sein Wohnort und wir wussten, dass es deshalb dort nicht möglich sein würde. Aber als es so weit war, bekam er einen Platz, der diesem glich. Mit Blick über meine Heimatstadt und die kleine Stadt, in der er jahrzehntelang gelebt hatte, über Wald, Hänge, Tal, Berge, unter hohen alten Bäumen und am Rande des Kirchhofs, von wo man all das sehen konnte. Und……….neben Fliederbüschen. Sie standen hinter dem Haus meiner Grosseltern. Und hinter dem Haus der Wohnung, die meine Grossmutter später bezog. Und in einer Münchner Klinik dufteten hohe alte Fliederbüsche durch eines der hohen geöffneten Fenster, als ein Arzt eine hoffnungslose Diagnose stellte. Ebenso wie in einer Praxis in München, in der ein anderer ebenso sicher eine weitere hoffnungslose Diagnose aussprach. Es wäre sinnlos, Ärzten erklären zu wollen, dass ihre Diagnosen nicht das Amen in der Kirche sind, auch wenn sie diese 100 bis 150% sicher ansehen. Wenn und weil Flieder vor ihren Fenstern im Wind sacht bewegt, seinen Duft bis in den Raum verströmt.

Vielleicht ist es nicht der Flieder. Vielleicht ist es etwas, das unter dem Modewort Resilienz en vogue ist. Vielleicht ist es …………….der Flieder. Und sein Duft. Und was er neurobiologisch nicht nur an den Tagen des Flieders, an den wenigen in jedem Jahr an Zauber hinterlässt, bewusst, unbewusst, unterbewusst, neurobiologisch als “Saat” für wieder ein Jahr, bis zr nächsten Blüte, mit zarten anmutigen Blüten, mit Duft, den kein Parfum der Welt erreicht, mit Unvergleichlichkeit und so rar und kurz die Tage dieser Fliederblüte sind.

Nicht alles ist rational. Nicht alles rational erklärbar. Nicht einmal mit und in der Wissenschaft.

 Flieder © Liz Collet

Flieder © Liz Collet

Woher diese Liebe zu Flieder bei mir kommt? Chissà. Ich erinnere mich zwar, dass auch an der Mauer jenes Schwabinger Hinterhofes der Isabellastrasse ein Fliederbusch über der Sandkiste an der Mauer wuchs , in dem ich zwischen meinem 1. und 4. Lebensjahr wohnte. Und auch an manchen Ecken rund um die Stadtmauer meiner Geburtsstadt im Pfaffenwinkel am Rande des Allgäus, aber ich bezweifle, dass derlei allein als “frühkindliche Prägung” meine Passion zu seinem Duft und den Blüten entschieden haben kann. Allerdings weiss man aus der neurobiologischen Forschung, dass und wie sehr Düfte in weit mehr als uns meist bewusstem Sinn, über das Unterbewusstsein prägen, Erinnerungen wieder wecken und uns durch jede Evolution hindurch auch bei der Wahl unserer Lebenspartner und Menschen, die wir “riechen können” oder mit denen “die Chemie eben nicht stimmt” beeinflussen können. Vorlieben für Düfte, solche der Parfümerie etwa, können sich ändern. Meine Liebe zu Flieder ist über Jahrzehnte geblieben — und allenfalls gewachsen. Mehr noch als der Holunder, der als Schutz in alter Zeit an Häuser und Scheunen gepflanzt wurde, gehört er für mich zum Unverzichtbaren im Jahr. Jedes Jahr. Und wann und wo immer weichenstellende Entscheidungen in meinem Leben zu treffen waren oder sich Dinge entschieden, wollte es ………der Zufall (?) ………es war immer Flieder in der Nähe. Und zauberte bei Schönem, Wichtigem, Entscheidendem wie Schwerem immer ein leises Lächeln und ein Gefühl von “Richtig” und “Glücksgefühl pur” oder auch ein  “Das wird schon.” Und: “Auch das ist zu schaffen” in die Liste der Zutaten, die zu den vermeintlich immer nur rationalen Entscheidungsfakten und -faktoren eben auch gehören.

Neben Ratio, die man Juristinnen wie Jungfrau-Sternzeichen gern nachsagt, fand und finde ich es immer sehr gut, wenn auch das “Bauchgefühl”, die Intuition, damit in Einklang steht.

Und die neurobiologische Forschung der letzten Jahre bestätigt das. Das, was man schon seit Kindheit und später  oft eben einfach intuitiv und nicht immer nur logisch entschied. Und entscheidet, auch in Berufen, in denen nicht allein der Buchstabe und schwarz auf weiss und §§ allein das Maß aller GUTEN Entscheidungen sind und sein können. 

Wenn oftmals irreführend von Fliedertee die Rede ist, dann ist das nicht richtig, denn damit ist Holunderblütentee gemeint, vor allem im norddeutschen Sprachraum. Holunderblütentee ist zum Beispiel ein gutes Mittel zum Senken von Fieber bei Grippe und in jeder Apotheke zu bekommen.

Allerdings kann  man wie aus Holunderblüten auch aus Flieder Sirup herstellen. Er ist leicht zuzubereiten, wie viele andere Sirupsorten aus Blüten ebenfalls.
Sie benötigen dazu nur:

2 Pfund Zucker
15 g Zitronensäure
1500 ml Wasser
Zesten und Scheiben einer halben Biozitrone
3-4 Tassen abgezupfte Fliederblüten

Flaschen, gut und heiss ausgespült.

Für die Ernte des Flieders eignet sich der frühe Morgen, nicht nach Regen. Zupfen Sie die Blüten sauber von den Dolden, achten Sie darauf, dass keine Blätter oder Stielansätze mehr daran sind, sie machen den Sirup bitter. Entfernen Sie etwaige Insekten, aber waschen Sie die Blüten nicht, sie verlieren sonst ihr zartes Aroma.
Lösen Sie den Zucker im Wasser auf, erhitzen Sie die Mischung in einem hohen Topf und lassen Sie den Zuckersirup drei Minuten sprudelnd kochen. Ziehen Sie mit einem Zestenreisser behutsam Zesten von der Biozitrone, schneiden Sie diese dann in Scheiben und vermengen sie Zesten und Scheiben mit den Fliederblüten. Ziehen Sie die Zuckerlösung vom Herd und lassen Sie ihn auf lauwarme Temperatur abkühlen, bevor Sie die Zitronensäure einrühren. Dann lassen Sie den Sirup auf Zimmertemperatur kühlen, bevor Sie die Blüten und die Zitronenzesten und -Scheiben einrühren und gut vermengen.
Geben Sie einen Deckel auf den Topf, stellen sie ihn in einen kühlen, dunklen Raum oder Kühlschrank und rühren Sie die Mischung einmal täglich um. Nach drei Tagen sieben sie den Sirup ab und füllen ihn in Flaschen mit Porzellan- oder Schraubverschluss. Bewahren Sie den Sirup kühl (Kühlschrank) auf. Mit Mineralwasser, Prosecco oder Sekt ist er ein erfrischender Aperitif oder für Sommertage Genuss.

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