Genderdiskriminierung im Hallertauer Hopfenanbau

Der Hopfen aus der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt, ist berühmt für seine Qualität.

Die Hopfenbauern dort achten genauestens darauf, dass in ihren Hopfengärten nur weibliche Pflanzen wachsen. Geerntet werden im August und September nur die unbefruchteten Dolden.

Wären sie befruchtet, gäbe es Samen und der Eiweißgehalt in der Dolde wäre hoch, die gewünschten Inhaltsstoffe hingegen zu niedrig. Um Befruchtung der Dolden garantiert auszuschliessen, sollen auch beiderseits der Hopfengärten keine männlichen Pflanzen wachsen. Deshalb werden in regelmässigen Abständen Mittel gegen den Wildhopfen in der Hallertau eingesetzt, früher mit der Hacke, jetzt Chemie.

Das Totalherbizid Roundup soll den Wildhopfen zerstören. Das Mittel dringt tröpfchenweise aus einem hohlen Stab nach außen, wird gezielt auf die Blätter der unerwünschten Pflanzen gestrichen. Dieser aufwendige Weg soll schonend für Wälder oder Hecken sein, die den Wildhopfen umgeben. Hierbei werden unterschiedslos männliche wie weibliche  Wildhopfenpflanzen vernichtet, der häufig von Pilzkrankheiten, wie Peronospora befallen ist. Deren Sporen  können  bis zu einem Kilometer weit fliegen und damit die Hopfenpflanzer gefährden.

Wozu aber werden männliche  Hopfenpflanzen dann benötigt? Nahe Freising werden an einem einsamen Waldrand und weit genug von den Hopfenkulturen der Hallertau entfernt nur männliche Hopfenpflanzen kultiviert und  betreut von Wissenschaftlern des bayerischen Hopfenforschungszentrums in Hüll. Für die Züchtung werden  die männlichen Pflanzen benötigt, denn Hopfen ist eine der ganz wenigen zweigeschlechtlichen Pflanzen gebraucht.

Hopfenblüte © Liz Collet

Hopfenblüte © Liz Collet

Dreitausend unterschiedliche männliche Hopfenpflanzen wachsen im Hopfenforschungszentrum Hüll, darunter viel eigenes Zuchtmaterial, zum Beispiel die Urahnen von berühmten Sorten wie Magnum oder Herkules. Daneben gibt es aber auch Exoten: Wildhopfen aus Japan, Amerika oder der Türkei. Vielversprechende Pflanzen werden beerntet und dürfen ihr Erbgut weitergeben, wobei die Chancen darauf recht überschaubar sind.

Jährlich werden ca 100 Kreuzungen gemacht, von denen mehr als 100.000 Sämlinge auflaufen und alle zwei bis drei Jahre eine neue Sorte an den Markt gelangt.  Die Chance für einen Sämling als Sorte am Markt zu erscheinen, wird mit  etwa 1 : 250.000 angegeben.

Die männlichen Pflanzen, denen das gelingt (und deren weiblichen Nachkommen)  wachsen dann auch in großen Mengen in den Hopfengärten der Hallertau.

Das und mehr Interessantes über den Hopfenanbau erfahren Sie in der heutigen Sendung des BR

 Bildquelle:

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