Majoran – ein zunehmend unerkanntes und wieder(-an-)erkanntes Kraut?

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Majoran © Liz Collet

Kürzlich erwähnte in einer Unterhaltung von drei Mittzwanzigerinnen eine, dass sie Majoran in das Rezept gebe. Darauf eine der beiden anderen: “Wie schmeckt Majoran? Hab ich noch nie gegessen.”

Letzteres dürfte sich mutmasslich um einen Irrtum handeln. Nur wusste sie es wohl nicht, dass und wann sie Majoran wohl mehr als einmal in unterschiedlichen Speisen oder Lebensmitteln zu sich genommen hat. In denen sein Aroma traditionell dazu gehört und – sei es getrocknet oder frisch – hinzugefügt wird.

Ob sie ihn geschmacklich erkennt, ist hingegen eine andere Frage. Die sie mit ihrer eigenen Frage beantwortete. Unfreiwillig. Vielleicht aber kann sie sein Aroma “nur” schon lange nicht mehr zuordnen zu den Aromen und Geschmacksnoten von vielen Lebensmitteln und Gerichten, die sie isst. Vielleicht sogar nicht selten isst. So manche Wurst beispielsweise.

Und deswegen ist ihre Frage eigentlich ……….nun, sagen wir nicht: erschreckend. Aber nennen wir es auf betrübliche Weise erstaunlich.

Noch trauriger ist aber, dass sie vermutlich zu nicht wenigen Verbrauchern und Konsumenten zählen dürfte, die ihn ebenfalls weder am Geruch, noch am Geschmack, weder frisch, noch getrocknet am Aussehen erkennen würden. Die ihn weder im Kräutertopf, noch in der Gewürzdose im eigenen Küchenregal stehen haben und nutzen. Allenfalls könnte er sich in Gewürzdöschen dann bei ihnen finden, wenn sie eine der handelsüblichen Mischungen von Kräutern kaufen, die beispielsweise als “Italienische Kräuter” oder als “Kräuter der Provence” seit zig Jahren von denen gekauft werden, die damit Gemüse, Salate oder kurzgebratenes Fleisch würzen. Oft genug, ohne je genau darauf zu achten, was darin an Kräutern gemischt wird oder gar, wie diese einzeln schmecken. Weil man heutzutage eher “Fleisch und Gyros Würzer” (und ähnliche Produkte für allerlei “Gerichte” kauft, als einzelne Kräuter frisch oder getrocknet zu verwenden, einzeln oder kombiniert. Mit der Folge, dass Fleisch (welches auch immer, von welchem Tier auch gar und nicht nur Gyros) immer gleich schmecken. Und den eigenen Sinnen und Sinnenfreude an Aromen und Abwechslung beim Kochen und Geniessen wenig Spielraum gewährt wird und bleibt. Wie absurd es wird, wenn in mancher Küche zwischen 5 und 15 solcher Fertigwürzmischungen in Döschen stehen, die je nach Gerichten dann verwendet werden, aber keine einzelnen Gewürze und Kräuter mehr ausser vielleicht noch Salz und Pfeffer oder Paprikapulver, sei nicht weiter kommentiert. Wäre aber mehr als einen Gedanken wert. Ein weiterer wäre, ob Sie wirklich sowas wie das Trennmittel Siliciumdioxid zu sich nehmen wollen und müssen, das sich beispielsweise in Mischungen wie dem o.g. “Fleisch und Gyros Würzer” findet und das niemand braucht, der seine einzelnen Kräuter und Gewürze beim Kochen verwendet. Und sich jeden Gedanken sparen kann, was das Trennmittel Siliciumdioxid ist und was er da isst, wenn er es mitisst. Und auch so manche andere Fertigmischungen lohnen einen Blick auf die Zutatenliste, die bei manchen mit Aromen nur noch teilweise  zu tun hat, wie jedenfalls ICH sie verstehe und verstanden wissen möchte.

Dass wir uns recht verstehen: Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen solche Kräutermischungen. Sie sind in mancher Studentenküche ein Anfang für die ersten eigenen Kochversuche, die auf kleinem Raum und mit überschaubaren Mitteln und Möglichkeiten allemal besser sind, als viele Alternativen. Nicht zu kochen, keine Gewürze zu verwenden, zum Beispiel. Sie sind auch praktisch und nützlich für viele andere, die allein oder in kleinem oder kleiner gewordenem Haushalt die einzelnen Gewürze nicht in vergleichbarem Zeitraum verbrauchen würden. Und bei denen es schade wäre, wenn die einzelnen Gewürze dann bis zum Verbrauch Aroma verlören. Sie sind – auch das – für viele schlicht praktisch und einfach ihr Geschmack.

Schade finde ich indessen, wenn Gewürzmischungen ihren Anteil daran haben, dass und bei wievielen die Kenntnis verloren geht, wie einzelnen Kräuter aussehen, duften und schmecken. Wie eben Majoran. Der in vielen Lebensmitteln steckt. Und dessen Geschmack sie dennoch nicht mehr kennen und erkennen. Häufiger als der eigentlich seit langem heimische Majoran (auch Badkraut, Bratekräutche, Bratenkräutel, Gartenmajoran, Kuchelkraut, Kuttelkraut, Mairan, Meiran, Mairalkraut genannt) wird

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Oregano © Liz Collet

Oregano ( auch wilder Majoran, Dorst, Dost, Echter Dost, Gemeiner Dost, Gewöhnlicher Dost, Wohlgemut bezeichnet) verwendet, der manchen geschmacklich durch italienische (Fertig-) Gerichte und Rezepte vertrauter scheint.

Beide Kräuter gehören als Pflanzenart zur Gattung Dost und der Familie der Lippenblütler.

Majoran gehört zu den sehr würzigen unter den Küchen- und Gartenkräutern, er hat einen hohen Anteil ätherischer Öle. Er gehört mit einer Anbaufläche von 500 bis 600 ha nach der Blattpetersilie zu den bedeutendsten in Deutschland kultivierten Gewürzpflanzen. Umso erstaunlicher, wenn er vom Aroma, nach Duft wie Geschmack, inzwischen so wenig Erkennungswert hat, noch weniger gefragt bei der Anwendung in der eigenen Küche als einzelnes Gewürz scheint.

Denn verwendet werden die frischen oder getrockneten Blätter vor allem für Gerichte mit Kartoffeln, Suppen, Soßen, Würste, Frikadellen und Rezepte mit Hülsenfrüchten. Bratkartoffeln und Kartoffelsuppe sind klassische Beispiele, in denen Majoran besonders verwendet wird. Leberwurst, Blutwurst und Schweinefleisch, aber auch Rindergulasch gehören ebenfalls zu den Lebensmitteln, bei denen dieses Gewürz ebenso wie bei geräuchertem Speck und Fleisch gut passt. Und wer fleischlos kocht und isst, hätte mit Eintöpfen, Gurkengemüse, Bohnengerichten, Hülsenfrüchten, aber auch Quark und vielem anderen noch jede Menge Rezepte und Gerichte, in denen Majoran eigentlich klassisch Verwendung fand und finden könnte. Auch bei und zu Käse, vor allem, wenn man diesen gratiniert oder grillt

Für getrockneten Majoran werden die ganzen Stängel geerntet und Blätter, Stängel, Knospen und Blüten verwendet.

Die Ernte sollte vor der Blüte erfolgen (Blütezeit: Juni bis September). Der Standort der Pflanzen sollte am besten sonnig sein. Es gibt Sorten, die im deutschsprachigen Raum als einjährige Pflanzen gezogen werden; diese sind am aromatischsten. Sorten, die im deutschsprachigen Raum winterhart sind, sind weit weniger aromatisch.

Wenn Sie Majoran selbst aussäen wollen, ist März bereits der richtige Zeitpunkt. Die Aussaat erfolgt ab Mitte März auf der Fensterbank, im Gewächshaus oder Frühbeetkasten. Freilandaussaaten sind erst ab Mitte Mai möglich, da Majoran sehr frostempfindlich ist. Letzte Aussaat Anfang Juni. Nach der Aussaat wird der Samen leicht angedrückt, jedoch nicht mit Erde abgedeckt, da Majoran ein Lichtkeimer ist. Die Keimzeit beträgt 21 – 28 Tage.

In der Heilkunde wirkt Majoran verdauungsfördernd und appetitanregend.

NB: Vielleicht wird auch die eingangs erwähnte der drei jungen Damen neugierig genug sein, Majoran doch einmal einzeln zu schnuppern, zu probieren und zu verwenden. Vielleicht nach der Unterhaltung, vielleicht beim Probieren des Rezeptes, um das es in selbiger ging. Vielleicht, wenn sie demnächst bei einer Lebensmittelhandelskette einkauft oder in deren Print- und Onlinemedien blättert, die Lebensmittel liebt und dieser Tage wieder einmal eines meiner Bilder mit Majoran lizenzierte. Schön wär’s. Weil ich Lebensmittel auch liebe. Und besonders die feinen Aromen, die als Kräuter und Gewürze aus Lebensmitteln Gerichte für Genuss und Geniesser machen.

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Aromagarten © Liz Collet

Und übrigens……Majoran und viele andere Kräuter lassen sich wunderbar auch auf kleinstem Raum ziehen, bzw. in Töpfen und Blumenkästen wachsend ernten. Selbst der kleinste Balkon (und ich hatte selbst beizeiten solche von kaum 2 qm) lässt das zu. Wenn hin und wieder auch Majoran im Regal der Kräutertöpfe eingangs der Supermarktabteilung “Gemüse und Obst” zu finden wäre, nicht nur Basilikum, Petersilie, Rosmarin, Schnittlauch und Thymian (wenn man Glück hat) , fände ich das noch schöner.

 

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